
Wie die Plattform funktioniert
Faire fungiert als Vermittler zwischen kleinen Einzelhändlern und Produktlieferanten. Anstatt Dutzende von Großhändlern anzurufen oder an Messen teilzunehmen, können Ladenbesitzer Produkte online suchen und bestellen. Das Unternehmen kümmert sich um Zahlungen, Versand und Rücksendungen. 60 Tage Zahlungsfrist und kostenlose Rücksendung bei Erstbestellungen sind das große Verkaufsargument. Die meisten traditionellen Großhändler verlangen eine Vorauszahlung und setzen hohe Mindestbestellmengen fest, die sich viele kleine Geschäfte nicht leisten können.
Europa treibt das Wachstum an
Die Expansion umfasst die Slowakei, die Tschechische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Estland, Griechenland, Lettland, Litauen, Malta und Slowenien. Diese Märkte gehören zu den am schnellsten wachsenden Einzelhandelsmärkten in Europa, aber viele lokale Einzelhändler hatten Schwierigkeiten, internationale Produkte zu beziehen. Das europäische Geschäft von Faire übertrifft bereits das nordamerikanische. Marken haben dort über 2 Millionen Bestellungen aufgegeben, und Einzelhändler haben fast 500 Millionen Dollar über die Plattform ausgegeben. Diese Wachstumsrate ist doppelt so hoch wie die, die das Unternehmen auf seinem Heimatmarkt verzeichnet.
Auch einheimische Zulieferer sind dabei
Es geht nicht nur darum, ausländische Marken auf neue Märkte zu bringen. Lieferanten in diesen Ländern haben über 115.000 Produkte auf Faire gelistet, was zeigt, dass lokale Marken auch Einzelhändler jenseits ihrer Grenzen erreichen wollen. Das litauische Unternehmen Linen Tales beweist, dass das Modell funktioniert. Die Haushaltswarenmarke trat 2019 bei und hat seitdem über fast 2.000 Einzelhändler auf der Plattform einen Umsatz von 3 Millionen US-Dollar erzielt.
„Jede Woche entdecken uns neue Einzelhändler über die Plattform“, sagt Gründer Boris Symulevic.
Das Unternehmen erreicht nun Kunden, die es über traditionelle Großhandelskanäle nie hätte finden können.
Konkurrenz für den traditionellen Großhandel
Faire stellt die herkömmliche Funktionsweise des Großhandels in Frage. Kleine Einzelhändler werden oft aus guten Lieferantenbeziehungen verdrängt, weil sie Mindestbestellmengen oder Zahlungsbedingungen, die für größere Geschäfte ausgelegt sind, nicht einhalten können. Die Plattform gleicht die Situation aus, indem sie kleinen Geschäften die Möglichkeit gibt, die gleichen Produkte wie größere Einzelhändler zu bestellen, nur in kleineren Mengen. Die Lieferanten profitieren davon, indem sie Kunden erreichen, die sie normalerweise nicht bedienen würden. Damit dies in verschiedenen Ländern funktioniert, sind erhebliche Backend-Investitionen erforderlich. Faire hat die Unterstützung der lokalen Währung, die Handhabung der Mehrwertsteuer und den Kundendienst in mehreren Sprachen entwickelt. In der britischen Niederlassung des Unternehmens sind etwa 100 Mitarbeiter mit der Verwaltung der europäischen Aktivitäten betraut.
Erprobung der Expansionsstrategie
Die europäische Markteinführung folgt auf erfolgreiche Einführungen in anderen Ländern. In Australien hat Faire seit seiner Einführung im Jahr 2022 170.000 Bestellungen für 4.000 lokale Marken ermöglicht. Mehr als 10.000 australische Einzelhändler nutzen die Plattform inzwischen regelmäßig. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass sich das Geschäftsmodell über den US-Markt hinaus gut übertragen lässt, wo sich der Großhandel schneller als in vielen anderen Regionen ins Internet verlagert hat.